Heute mal Strasbourg.
Manchmal liegen Freude und Frust beim Fußball eng beieinander – unser Tag in Straßburg
Unsere Familie ist Fan von Mainz 05 – ganz normale Fans. Ja, die gibt es auch. Und genau als solche haben wir uns auf den Weg nach Straßburg gemacht, voller Vorfreude auf einen besonderen Fußballabend.
Der Tag begann denkbar schön. Zu viert, gemeinsam mit einer Freundin, sind wir nach Kehl gefahren, um dort zu parken. Ein Parkticket konnten wir zunächst nicht lösen, aber unkompliziert über eine App die Gebühren bezahlen – und das zu einem Preis, den man selten findet: über zehn Stunden Parken für etwas mehr als zwei Euro.
Von dort ging es weiter zur S-Bahn. Schon hier fiel uns auf, wie herzlich und hilfsbereit die Menschen waren. Am Automaten bekamen wir direkt Unterstützung, auch bei der Ticketentwertung wurde uns freundlich geholfen – ein wirklich angenehmer Start in den Tag.
Am Treffpunkt angekommen, kehrten wir in ein schönes Café ein. Dort saßen bereits viele Mainzer Fans, aber auch Straßburger waren darunter. Die Stimmung war durchweg gut, entspannt und freundlich. Nach einem kühlen Bier sahen wir den rot-weißen Fanmarsch an uns vorbeiziehen – die Mainzer Fans zogen Richtung Stadion, und wir schlossen uns an.
Der Weg dorthin war ein kleines Spektakel. Auf Balkonen und an Fenstern standen Straßburger Fans – Familien mit Kindern, ältere Paare –, die das Geschehen filmten, winkten oder uns mit Applaus und freundlichen Gesten begleiteten. Selbst Zuschauer in gegnerischer Fankleidung verfolgten das Ganze aufmerksam und blieben freundlich. Genau solche Momente machen den Fußball aus.
Natürlich gehört zur Ehrlichkeit auch dazu: Es gibt auch in der Mainzer Fanszene einige, die sich nicht benehmen können. Ich habe gesehen, wie Plastikbecher in Richtung der Balkone geworfen wurden. Das lässt sich vermutlich nie ganz verhindern, aber es bleibt eine Frage von Respekt und Erziehung – und es passt einfach nicht zu dem, was Fußball sein sollte.
Die überwältigende Mehrheit der Fans allerdings war friedlich unterwegs, singend und feiernd, begleitet von einer sehr freundlichen und hilfsbereiten Polizei. Besonders in Erinnerung bleibt mir ein älterer Mann aus Straßburg, der vor seinem Haus einigen Mainzern spontan Bier spendierte – eine Geste, die mit viel Applaus bedacht wurde.
Am Stadion selbst wurde es dann etwas zäh. Die Einlasskontrollen dauerten, was angesichts der Menschenmengen aber auch nachvollziehbar war. Im Stadion angekommen, mussten wir dann leider feststellen: Es war nicht der Abend von Mainz 05.
Die 0:4-Niederlage geht am Ende in Ordnung, auch wenn man sich natürlich mehr erhofft hatte – ein Halbfinale in der Conference League wäre etwas Besonderes gewesen. Subjektiv hatte auch der Schiedsrichter nicht seinen besten Tag, doch entscheidend war: Die Leistung stimmte überhaupt nicht. Die Mannschaft war nicht wiederzuerkennen im Vergleich zum überzeugenden 2:0 im Hinspiel.
Was dann nach Abpfiff passierte, hat mich sprachlos gemacht. Ein Straßburger Spieler kam zum Mainzer Fanblock, hing ein Trikot über die Eckfahne, zog sie heraus und provozierte gezielt die Mainzer Fans – noch bevor er sich mit seiner Mannschaft bei den eigenen Anhängern für den Support bedankte. Das ist keine Größe – das ist respektlos und schadet genau dem, was Fußball eigentlich verbinden soll.
Der eigentliche Tiefpunkt folgte jedoch nach dem Spiel. Am Ausgang des Busparkplatzes wurden wir zunächst zurückgehalten. Von anderen Fans hörten wir, dass vermummte Straßburger auf Mainzer Anhänger warten würden – bestätigen kann ich das nicht, aber allein die Vorstellung reicht, um ein ungutes Gefühl zu erzeugen, vor allem wenn man mit der Familie unterwegs ist.
Zusätzlich setzte die Polizei vor dem Tor Reizmittel ein, vermutlich um Situationen zu entschärfen. Wir standen in der Nähe, wollten gerade einen Beamten fragen, wann wir Richtung Kehl aufbrechen können, als plötzlich die Augen brannten und die Nase reizte. Wir zogen uns zurück und suchten die Fanbetreuung auf.
Es war inzwischen fast Mitternacht, die Straßenbahnen fuhren seltener – und man steht da und fragt sich: Was, wenn wirklich jemand auf Ärger aus ist? Wenn man plötzlich verfolgt wird, nur weil man Fan der falschen Mannschaft ist?
Ich fahre zu Fußballspielen, weil ich diesen Sport sehr mag. Ich freue mich über Siege, ich ärgere mich über Niederlagen – aber ich käme nie auf die Idee, meine Enttäuschung in Gewalt oder Jagd auf andere Menschen auszuleben. Was läuft da eigentlich schief in den Köpfen?
Am Ende war unsere Lösung ein Uber zurück nach Kehl. Für die Zukunft werden wir wohl öfter auf organisierte Fanbusse setzen – die bringen einen direkt ans Stadion und auch wieder sicher zurück.
Und an alle, die meinen, pöbeln und prügeln zu müssen: Schämt euch.
Sportlich bleibt festzuhalten: Mainz 05 ist aus der Conference League ausgeschieden. Der Weg bis ins Viertelfinale war stark – und am Ende hat es eben nicht gereicht. So ist Fußball.
Das Leben geht weiter. Die nächste Saison kommt.
Und schon am Sonntag geht es nach Gladbach. 😉